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Ein Schulleiter sagt „Au revoir und farewell“

Ulrich Gninka nach 36 Jahren an der Realschule Aspe feierlich verabschiedet

 

Schon im zarten Alter von sieben Jahren wusste Ulrich Gninka, dass er später einmal Lehrer werden wollte. Voller Bewunderung für seine engagierte   Klassenlehrerin Fräulein Teichmann beschloss der Grundschüler im Sommer 1965: “Da vorne, da möchte ich auch einmal stehen...“ Dass aus dem eifrigen Steppke von damals eines Tages sogar ein Schulleiter werden würde, hatte sicher niemand geahnt.

 

Nun liegen 39 Jahre Schuldienst mit Stationen in Herford und Bad Salzuflen hinter Ulrich Gninka und das Kollegium der Realschule Aspe, zu dem er 36 Jahre, davon 23 in leitender Funktion, gehörte, hatte sich für ein letztes „Adieu“ einiges einfallen lassen.

 

Als Hommage an ihren scheidenden Schulleiter stellten die 40 Lehrkräfte ihr tänzerisches Können in einem Video zum Song „Jerusalema“ unter Beweis, aufgenommen in den gerade erst eingeweihten neuen Lernhäusern der Realschule. Weitere Highlights des Programms in der coronabedingt nicht vollbesetzten Aula waren die Auftritte des Streicher-Ensembles unter Leitung von Clarissa Olivier, das Klavierspiel von Naemi Mantler und der von der Schülerband performte Song „Someone you loved“.

 

 Auch der humorvoll auf den Chef umgetextete Song „Kompliment“ der LehrerInnenband machte deutlich, was Grundtenor der gesamten Verabschiedung war und von Bürgermeister Dirk Tolkemitt kurzerhand folgendermaßen zusammengefasst wurde: „Wer so gefeiert wird, kann als Schulleiter nicht viel falsch gemacht haben.“ Tolkemitt attestierte Gninka ein besonderes Geschick im Umgang mit Menschen und betonte, dass die Realschule ein anerkannter und wichtiger Bestandteil der Salzufler Schullandschaft sei.

Lobende Worte fand auch Dezernentin Therese Dallmeier, die Gninkas Werdegang als Lehrer für katholische Religion, Erdkunde und Technik als „gradlinig und zielstrebig“ hervorhob und betonte, dass er in seiner langjährigen Leitungsposition die Weiterentwicklung der Realschule Aspe maßgeblich vorangetrieben und auch Neuerungen wie das Gemeinsame Lernen oder den digitalisierten Distanzunterricht mutig angegangen sei.

 

Konrektorin Silke Miesler, die auch durch das Programm führte, machte auf humorvolle Weise deutlich, dass das Kollegium seinen Chef zwar ungern gehen lässt, aber doch Verständnis dafür hat, dass nach fast 40 Jahren Dienstzeit jetzt private Pläne und die Familie im Mittelpunkt stehen sollen. „Wir schicken unseren Schulleiter auf eine lange Reise mit unendlich vielen beweglichen Ferientagen“, so Miesler, die in diesem Zusammenhang auch auf Gninkas besondere Affinität zu Frankreich und die Verbindung zur Asper Partnerschule in Millau hinwies. Viele der zahlreichen Präsente, unter anderem vom Förderverein der Schule, standen daher auch ganz im Zeichen künftiger Reisen ins Nachbarland gemeinsam mit Ehefrau Susanne.

 

Ulrich Gninka hatte seine Abschiedsworte bewusst unter das Motto „Au revoir und farewell“ gestellt, denn auch die Förderung der englischen Sprache war ihm als Leiter einer bilingualen Schule stets ein wichtiges Anliegen. „1985 war für mich ein echtes Glücksjahr, denn ausgerechnet an einem Freitag, dem 13., erhielt ich das Angebot der Bezirksregierung, eine Lehrerstelle in Aspe anzutreten“, erinnerte sich Gninka. Im Rückblick dankte er dem Kollegium und dem Schulpersonal für die Unterstützung in den vergangenen Jahren, besonders seiner Vorgängerin Susanne Brauer-Junker, die er als „Mentorin und echtes Vorbild“ bezeichnete. Ein weiteres Dankeschön galt Schulsekretärin Christina Tilly: “Es war mir eine Freude, mit Ihnen zusammenzuarbeiten.“

 

In Anspielung auf seine frühere Grundschullehrerin machte Gninka abschließend deutlich, was ihm – auch gerade durch die Erfahrungen in der Pandemiezeit – besonders wichtig ist: „Schule kann auf persönliche Begegnung nicht verzichten. Digitalisierung ist nur ein Hilfsmittel – und weder Siri noch Alexa können ein Fräulein Teichmann ersetzen.“  

 

Text: Claudia Burek

Fotos: Realschule Aspe